Die Europäische Zentralbank (EZB) hat am Donnerstag die Zinssätze zum ersten Mal seit 2011 gesenkt und damit einen historischen Schritt zur Lockerung ihrer Geldpolitik unternommen.
Der Leitzins wurde um 0,25 Prozentpunkte auf 0,75 Prozent gesenkt, wie die EZB nach ihrer geldpolitischen Sitzung in Frankfurt mitteilte. Dies ist die erste Zinssenkung seit Mai 2011, als die EZB den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte auf 1,50 Prozent angehoben hatte.
Die Entscheidung fiel angesichts der anhaltenden Konjunkturschwäche im Euroraum und der niedrigen Inflation. Die EZB hofft, mit der Zinssenkung die Kreditvergabe ankurbeln und die Wirtschaftstätigkeit stimulieren zu können.
EZB-Präsident Mario Draghi erklärte auf einer Pressekonferenz, dass die EZB bereit sei, weitere Maßnahmen zu ergreifen, falls erforderlich. „Wir werden die wirtschaftliche Entwicklung weiterhin genau beobachten und alle notwendigen Maßnahmen ergreifen, um sicherzustellen, dass die Inflation mittelfristig auf unser Ziel von unter 2 Prozent zurückkehrt“, sagte Draghi.
Die Zinssenkung wurde von den Märkten erwartet und führte zunächst zu einer leichten Erholung der Aktienkurse. Analysten zeigten sich jedoch geteilter Meinung über die Wirksamkeit der Maßnahme. Einige lobten die EZB für ihre proaktive Haltung, während andere befürchteten, dass die Zinssenkung allein nicht ausreichen werde, um die europäische Wirtschaft aus der Krise zu führen.
Die EZB hatte in den vergangenen Jahren bereits eine Reihe unkonventioneller geldpolitischer Maßnahmen ergriffen, darunter Anleihekaufprogramme und zinsgünstige Kredite für Banken. Die heutige Zinssenkung ist jedoch die erste direkte Lockerung der Geldpolitik seit Beginn der Eurokrise.