Die Europäische Zentralbank (EZB) hat am Donnerstag die Zinssätze zum ersten Mal seit 2011 gesenkt und damit eine lang erwartete Lockerung der Geldpolitik eingeleitet.
Der Leitzins wurde um 0,25 Prozentpunkte auf 0,75 Prozent gesenkt, wie die Zentralbank mitteilte. Dies ist die erste Zinssenkung seit Mai 2011, als die EZB die Zinsen um 0,25 Prozentpunkte auf 1,5 Prozent angehoben hatte.
Die Entscheidung fiel nach einer zweitägigen Sitzung des EZB-Rates in Frankfurt. Die EZB begründete die Zinssenkung mit der anhaltend schwachen Wirtschaftslage im Euroraum und der niedrigen Inflation.
„Die Konjunkturaussichten für den Euroraum bleiben gedämpft“, sagte EZB-Präsident Mario Draghi auf einer Pressekonferenz. „Wir erwarten, dass die Inflation in den kommenden Monaten weiter sinken wird.“
Die EZB hatte die Zinsen zuletzt im Juli 2012 gesenkt, als sie den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte auf 0,75 Prozent reduzierte. Seitdem hatte die Zentralbank die Zinsen unverändert gelassen.
Die Zinssenkung wurde von den Finanzmärkten weitgehend erwartet. Analysten gehen davon aus, dass die EZB die Zinsen in den kommenden Monaten weiter senken könnte, um die Wirtschaft anzukurbeln.
„Dies ist ein wichtiger Schritt zur Stützung der Konjunktur“, sagte ein Analyst der Commerzbank. „Wir erwarten, dass die EZB die Zinsen weiter senken wird, wenn die Inflation niedrig bleibt.“
Die EZB hatte im vergangenen Jahr bereits eine Reihe von Maßnahmen ergriffen, um die Wirtschaft zu stützen, darunter die Senkung der Einlagefazilität auf Null und die Bereitstellung von Liquiditätshilfen für die Banken.
Die heutige Zinssenkung ist die erste seit dem Amtsantritt von Mario Draghi als EZB-Präsident im November 2011.