Die Europäische Zentralbank (EZB) hat am Donnerstag die Zinssätze zum ersten Mal seit 2011 gesenkt und damit eine Kehrtwende in ihrer strafferen Geldpolitik eingeleitet.
Der Leitzins wurde um 0,25 Prozentpunkte auf 3,75 Prozent gesenkt, wie die Zentralbank mitteilte. Die EZB hat die Zinssätze seit September 2023 auf dem höchsten Stand von 4 Prozent gehalten, um die Inflation zu bekämpfen.
Die Entscheidung wurde von den meisten Analysten erwartet, da die Inflation im Euroraum im Mai auf 2,6 Prozent gesunken ist, was dem niedrigsten Stand seit November 2023 entspricht. Die EZB hat jedoch darauf hingewiesen, dass die Inflation weiterhin über ihrem Ziel von 2 Prozent liegt und dass die Zinssätze wahrscheinlich auf einem Niveau bleiben werden, das restriktiv genug ist, um die Inflation weiter zu senken.
„Wir sind noch nicht am Ziel“, sagte EZB-Präsidentin Christine Lagarde auf einer Pressekonferenz. „Wir müssen die Inflation weiter senken, und wir werden dies tun, indem wir die Zinssätze so lange wie nötig auf einem restriktiven Niveau halten.“
Die EZB hat auch ihre Wachstumsprognosen für den Euroraum angehoben. Sie erwartet nun, dass die Wirtschaft im Euroraum in diesem Jahr um 0,9 Prozent wachsen wird, gegenüber 0,6 Prozent in ihrer vorherigen Prognose.
Die Zinssenkung der EZB wird wahrscheinlich zu niedrigeren Kreditkosten für Unternehmen und Verbraucher führen, was die Wirtschaftstätigkeit ankurbeln könnte. Sie könnte jedoch auch zu einem Anstieg der Inflation führen, wenn die Nachfrage stärker steigt als das Angebot.
Die EZB wird ihre nächste Zinssitzung im Juli abhalten. Es wird erwartet, dass sie die Zinssätze dann erneut senken wird, aber die Geschwindigkeit und der Umfang der zukünftigen Zinssenkungen werden von der Entwicklung der Inflation und der Wirtschaft abhängen.
